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S: Gründung eines Nationalen Zentrums für Alternativmethoden in Schweden geplant

Am 24. und 25. Oktober hatte die Staatliche Schwedische Tierschutzbehörde Djurskyddsmyndigheten (engl. SAWA Swedish Animal Welfare Association) in Stockholm zu einem „Meeting on Alternatives to Laboratory Animals in Research“ eingeladen, bei dem am ersten Tag als Gäste Vertreter verschiedener Zentren für Alternativmethoden ihre Institutionen vorstellten.
Als Gastgeber begrüßte Matz Hammarström, der Leiter der Staatlichen Schwedischen Tierschutzbehörde, mehr als 100 Gäste. Diese staatliche Einrichtung ist für alle Belange des Tierschutzes in Schweden zuständig, so dass die Genehmigung von Tierversuchen und die Betreuung der Tierversuchskommissionen nur eine der vielfältigen Aufgaben dieser Behörde ist. Die schwedische Behörde fördert die Entwicklung von Alternativmethoden zu Tierversuchen mit ca. 2 Mio. € pro Jahr, und sie finanziert seit mehr als 3 Jahren bei der OECD in Paris einen Wissenschaftler, Patric Amcoff, der dort hauptsächlich für die Reduzierung von Tierversuchen in den OECD Prüfrichtlinien zuständig ist sowie für die Einführung validierter Alternativmethoden.
Der erste Tag war dem Thema „Alternativen zu Tierversuchen mit dem Schwerpunkt der Entwicklung und Validierung von Alternativmethoden“ gewidmet, Chairman war der Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates Ian Cotgreave von der Firma Astra-Seneca.
Patric Amcoff beschrieb anhand anschaulicher Beispiele die führende Rolle, die die OECD bei der Einführung von Alternativmethoden in das Programm der toxikologischen Prüfrichtlinien spielt. Danach stellte Thomas Hartung die Fortschritte bei der Einführung von Alternativmethoden in Europa vor und machte dabei deutlich, dass ECVAM dabei zurzeit die führende Rolle spielt. Als Vertreter des amerikanischen Center for Alternatives to Animal Testing (CAAT) an der Johns Hopkins University in Baltimore blickte Peter Locke auf 25 erfolgreiche Jahre des weltweit ersten Zentrums für Alternativmethoden zurück. Horst Spielmann hatte Gelegenheit, die Leistungen der ZEBET, dem staatlichen Zentrum für Alternativmethoden in Deutschland, in den 17 Jahren seit der Gründung ausführlich vorzustellen; sie sind den Lesern von ALTEX sowie den Teilnehmern an den Linzer Kongressen hinlänglich bekannt. Abschließend stellte Bob Combes den ausserordentlichen Erfolg der englischen Stiftung FRAME (Fund for the Replacment of Animals in Medical Experiments) in den vergangenen 38 Jahren vor, die in Europa und auch weltweit das Fundament für die Entwicklung von Alternativmethoden nach dem 3R-Prinzip gelegt hat. Dabei wurde die Lebensleistung von Michael Balls deutlich, der nicht nur der erste Direktor von ECVAM war, sondern sich auch weiterhin für den Ersatz von Tierversuchen (Replacement) als wichtigstes Ziel des 3R-Prinzips einsetzt. Es war bedauerlich, dass Vicky Robinson, die Leiterin des neuen englischen Zentrums für Alternativmethoden (NC3Rs), kurzfristig ihre Teilnahme absagte und das NC3Rs nicht vorstellen konnte.
Anschliessend moderierte Ian Cotgreave die Podiumsdiskussion, in der sich alle Redner für eine stärkere internationale Kooperation der Zentren für Alternativmethoden einsetzen und einhellig die Forderung zur Etablierung eines staatlichen schwedischen Zentrums für Alternativmethoden innerhalb der schwedischen Tierschutzbehörde SAWA unterstützten. Leider scheint die neue schwedische Regierung, die seit September im Amt ist, diese Pläne nicht weiter zu verfolgen.
Am 2. Tag stellten acht Wissenschaftler, deren Forschung zum Ersatz von Tierversuchen von der schwedischen Tierschutzbehörde gefördert wird, ihre Forschungsergebnisse vor. Die Wissenschaftler sind ausschliesslich an international angesehenen Universitäten tätig, wie z.B. an den Universitäten von Lund, Stockholm und Uppsala sowie an Instituten des Karolinska Institutes. Hervorzuheben ist dabei, dass in Schweden die Forschung mit menschlichen embryonalen Stammzellen erlaubt ist. Neben Forschungsprojekten zur Verbesserung der Haltung schwangerer Versuchstiere und zur Entwicklung von objektiven Kriterien zur Beurteilung des Leidens von Mäusen war das Projekt von Anna Forsby besonders bemerkenswert. Sie ist im Department for Neurosciences an der Universität Stockholm tätig und hat mit molekularbiologischen Methoden eine Zelllinie entwickelt, die den wichtigsten Schmerzrezeptor an der Zelloberfläche trägt. Sie konnte zeigen, dass diese Zelllinie eine ähnliche Empfindlichkeit wie das menschliche Auge gegenüber kosmetischen Pflegeprodukten aufweist. Mit dem von ihr entwickelten Test kann eventuell der schmerzhafte Draize Test am Kaninchen ersetzt werden. Möglicherweise ist der neue Test sogar empfindlicher als der Draize Test, bei dem die Schmerzempfindlichkeit gar nicht berücksichtigt wird.
Bekanntermassen spielt Schweden in Europa auf dem Gebiet des Tierschutzes eine führende Rolle. Die 2-tägige Veranstaltung hat für alle ausländischen Gäste deutlich gemacht, dass dies in Schweden auch für den Schutz von Versuchstieren gilt. Es bleibt zu hoffen, dass die neue Regierung das Ziel, auch in Schweden ein staatliches Zentrum für Alternativmethoden zu etablieren, nicht aus den Augen verliert.
Weitere Informationen unter www.djurskyddsmyndigheten.se.


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