4/94 - Article Summary
Back to table of contents 4/94Zur ethischen Abwägung von Tierversuchen
Wolfgang Scharmann¹ und Gotthard M. Teutsch²
¹Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin, D-Berlin
²D-Bayreuth
Summary
| In drei Kapiteln wird eine Übersicht über den heutigen Diskussionsstand zur Problematik der Tierversuche gegeben. Die Verfasser stellen dabei vier Kategorien vor: den Befürworter, der unter allen Umständen Tierversuche für notwendig hält und allenfalls wissenschaftliche Kritik akzeptiert, den Verteidiger der Tierversuche, der bereit ist, Tierversuche einer ethischen Güterabwägung zu unterziehen, den Kritiker, der eine grosse Zahl von Versuchen aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen ablehnt und den Gegner von Tierversuchen, der aus ethischen Überlegungen alle Tierversuche ablehnen muss. Die Autoren ordnen sich selbst als Verteidiger (Scharmann) und Gegner (Teutsch) von Tierversuchen ein. Im 2. Kapitel werden Hilfen für die ethische Abwägung anhand des erwarteten Nutzens für Mensch und Tier und der Belastung der Tiere gegeben. Das 3. Kapitel, das die Ergebnisse der Abwägung Nutzen gegen Belastung beinhalten soll, wird von den Autoren getrennt abgefasst, sie kommen hier zu unterschiedlichen Ergebnissen. Scharmann verwendet dabei das "Prinzip der Nähe", das es ihm erlaubt, bestimmte Tierversuche zu akzeptieren, da ihm leidende Menschen näher stehen als leidende Tiere. In der Grundlagenforschung akzeptiert Scharmann nur Versuche mit geringem Belastungsgrad. Teutsch lehnt aus ethischen Gründen Tierversuche auch dann ab, wenn sie dem Menschen einen Vorteil bringen können. Er begründet dies mit dem Fehlen einer ethisch relevanten Begründung, dass Tiere hier anders zu behandeln seien wie Menschen. Das Fehlen bestimmter Qualitäten, wie abstraktes Denken, Selbstreflektion oder Moralität kann jedenfalls nicht als ethisch relevant für eine Andersbehandlung der Tiere herangezogen werden. |
